Die deutschen Verbraucher reagieren zwar gelassen auf das Thema EHEC, aber das Vertrauen in die Lebensmittelproduzenten wird mit jedem neuen Skandal mehr untergraben. Ebenso zeigt sich, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit EHEC umgehen. Dies zeigt eine aktuelle Studie von ODC-Services und linkfluence/Q | Agentur für Forschung. Das Besondere an dieser Studie: Es wurden einerseits über 1.600 Personen befragt und die Ergebnisse mit einer Analyse von Diskussionen in den Social Media mit Hilfe des linkfluence Ansatzes verglichen und angereichert.
Die Ergebnisse im Detail:
Für die Studie befragte ODC zwischen dem 27. und 29. Mai insgesamt 1.624 Personen im gesamten Bundesgebiet und die Agentur Q analysierte mit Hilfe des Linkfluence-Tools über 7.000 Seiten im deutschen Social Web im Zeitraum vom 24. bis 30. Mai.
Befragung wie Social Media-Analyse zeigen, dass die deutschen Verbraucher das Thema insgesamt gelassen sehen. Die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass die Medien übertreiben und alles nur halb so schlimm ist. Dass EHEC bisher vor allem ein Thema der Medien ist, zeigt auch der Blick auf Diskussionen in den Social Media. Während sich auf den redaktionell geführten Onlineseiten wie spiegel.de oder stern.de mehr als 2200 Beiträge zu EHEC finden, finden sich auf Seiten mit stärker nutzergeneriertem Inhalt wie Blogs oder Kommentaren nur ca. 500 Beiträge. Dabei konzentriert sich die Diskussion derzeit auf Seiten rund ums Thema Gesundheit, Frauen oder Ernährung wie „Focus Gesundheit“ oder netdoktor.de, während sich auf Verbraucherseiten wie oekotest.de bisher kaum eine Diskussion zu EHEC entwickelt hat.
Die Analyse von ODC und Q zeigt auch, wie sich die Einstellung zu EHEC zwischen Frauen und Männern unterscheidet. Während sich in der Befragung nur 18% der Männer sehr stark für die Berichterstattung über EHEC interessieren, sind es bei den Frauen immerhin 26%. Ebenso geben nur 9% der Männer bei der Befragung an, sehr stark beunruhigt zu sein, während es bei den Frauen 16% sind. Damit übereinstimmend tauschen sich in den Social Media insbesondere Frauen über EHEC aus. Die relevantesten Themen konzentrieren sich hier auf Fragen nach der Gefahr einer weiteren Ausbreitung und darauf, wie man sich selbst und seine Familie vor EHEC schützt.
Auch im Umgang mit EHEC im Lebensalltag zeigen sich Geschlechterunterschiede. Während 74% der Frauen angeben, in Folge von EHEC etwas an ihren Gewohnheiten zu ändern, sind es unter den befragten Männern nur 59%.
Insgesamt haben zwei Drittel aller Befragten (67%) bereits ihre Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten geändert, wobei der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel (36%) und die genauere Prüfung des Herkunftslandes (35%) die wichtigsten Maßnahmen sind.
In der Netzöffentlichkeit spiegelt sich dies in einer Vielzahl von Beiträgen und Kommentaren wieder, in denen sich Verbraucher zunehmend die Frage stellen, wie sicher Lebensmittel überhaupt noch sind. Eine Blog-Kommentatorin stellt etwa konsterniert fest, dass sie durch EHEC „heute selbst die Freude an Bio genommen“ bekommt. Auch in der Befragung stimmen 33% der Aussage voll und ganz zu, dass man selbst Bioprodukte nicht mehr bedenkenlos essen kann.
Damit zeichnet sich bei deutschen Verbrauchern durch EHEC ein weiterer Vertrauens-verlust in Politik und Wirtschaft durch EHEC ab. 34% der Befragten sind überzeugt, dass man den Aussagen der Lebensmittelindustrie nicht mehr trauen kann. Und 53% sind sogar der Ansicht, dass der Gesetzgeber deutsche Verbraucher nicht ausreichend vor ungesunden Lebensmitteln schützt. Der Blick in die Social Media zeigt dagegen, dass sich die politische Netzgemeinde selbst bisher so gut wie gar nicht dafür zu interessieren scheint, EHEC als Thema aufzugreifen. Gerade einmal 79 Beiträge aus der politischen Blogosphäre –egal ob links, grün, rot, konservativ oder liberal – beschäftigen sich mit EHEC.
Ansprechpartner: René Kaufmann
