Expertise

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12 Dezember 2017

Social Media und Wahlen – Ein Gespräch über den Einfluss von sozialen Medien auf die Politik am Beispiel Kenia

Ein Interview mit Noah Miller, Managing Director, Sochin Limited

Im September diesen Jahres fanden die allgemeinen Wahlen in Kenia statt. Die dort ansässige Kommunikationsagentur Sochin analysierte mithilfe des Social Listening Tools von Linkfluence den Impact der Wahlen in Kenia.

Wir sprachen mit Noah Miller, Managing Director Sochin, um mehr über die Ergebnisse der Untersuchung herauszubekommen.

Können Sie uns etwas mehr über sich erzählen?

Noah Miller

Momentan bin ich in Nairobi tätig. Dort habe ich die Position des Managing Director bei Sochin Limited inne, eine Firma für Datenanalyse und Kommunikationsberatung. Bevor ich nach Afrika gezogen bin, habe ich fünf Jahre lang im Nahen Osten gelebt und war davor weitgehend in Asien, Europa und den Vereinigten Staaten tätig. Meine beruflichen Interessen sind unter anderem Außenpolitik, Medienentwicklung und Verhaltensänderungen.

Was gefällt Ihnen an Social Media und Social Listening?

Kommunikation sagt im grundlegenden Sinne etwas über Menschen aus: Wie sie mit anderen interagieren, welche Einzelheiten geteilt werden und wie neue Denkweisen entstehen. Normalerweise passieren solche Entwicklungen hinter verschlossenen Türen in traditionellen Medien, doch durch Social Media werden diese Entwicklungen transparenter.

Am wichtigsten ist jedoch, dass jede einzelne Interaktion einen digitalen Fußabdruck hinterlässt und das in Form von Daten, die analysiert werden können. Es ist total faszinierend, Einblicke über kollektives Verhalten auf Social Media zu bekommen. Trotzdem sollte man auch die Limitationen von Social Media kennen.

Warum haben Sie sich dazu entschieden die Social Intelligence Plattform von Linkfluence zu verwenden?

Vor zwei Jahren hat meine Firma einen gründlichen Vergleich zwischen den besten Social Intelligence Plattformen durchgeführt. Dieser Vergleich beinhaltete eine Bewertung der Marketing Dokumentation, Gespräche mit Vertretern und dem Testen von Programmen in einer engeren Auswahl. Anschließend stellten wir eine Rangliste auf, basierend auf unseren spezifischen Anforderungen. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Plattform von Linkfluence das höchste Potential für uns birgt.

Die Entscheidung wurde stark durch das große Angebot an gespeicherten Informationen, welches wir oft für Bestandsaufnahmen brauchen, ein sehr benutzerfreundliches Interface, den herunterladbaren PowerPoint-Bericht, sowie die Pläne, die Plattform ständig weiterzuentwickeln, beeinflusst.

Welche Rolle spielte Linkfluence bei Ihrer Forschung zu den Wahlen in Kenia?

Kenia ist immer noch eine sehr junge Demokratie und es war ein zentraler Punkt, dass die Wahlen am 8. August frei, fair und glaubwürdig sind. Aufgrund dessen arbeitete Sochin Limited mit der Aga Khan Universität für Medien und Kommunikation zusammen um die Konversationen in sozialen Netzwerken zu beobachten, welche sich auf die Organisation „Kenya´s Independent Boundaries and Elections Commission“ (IEBC), sowie Gewalt während der Wahl und Hassreden. Das Projekt untersuchte zudem, auf welche Art die Medien über die Wahl berichteten.

Linkfluence ermöglichte es uns, detaillierte Anfragen zu erstellen, die sich auf die vier großen Themengebiete bezogen. Insgesamt erfasste das System 2,3 Millionen Konversationen in sozialen Netzwerken im Zeitraum Mai bis August 2017. Die Posts wurden dann analysiert, um wöchentliche und monatliche Reports über Schlüssel-Konversationen, Influencer, „trendende“ Hashtags und Stimmungen zu erstellen.

Was glauben Sie, welche Rolle Social Media während der Wahl in Kenia gespielt hat?

Zum ersten Mal in seiner Geschichte hatte Kenia eine richtige Social-Media-Wahl. Die digitalen Werkzeuge und Taktiken waren ähnlich derer, die wir schon bei Wahlen auf der gesamten Welt beobachten konnten: bezahlte Wahl-Werbung, Fake News, diskreditierende Werbung, Einsatz von politischen Influencern, Einsatz von Datamining Unternehmen usw.

Doch trotz all dem Hype über Social Media in Kenia glaube ich, dass Twitter und Facebook vorwiegend nur Wähler in der Hauptstadt sowie vereinzelten Stadtzentren erreicht haben. Größtenteils ging es in den politischen Konversationen darum, bereits existierende Wähler zu mobilisieren, anstatt neue Wähler anzuziehen.

Können Sie uns mehr über Ihre Ergebnisse berichten?

Unser Auftrag war es, unseren Kunden stets über die Konversationen in den sozialen Netzwerken, welche die Wahl zum Thema hatten, zu unterrichten. Aber durch die Plattform von Linkfluence bekamen wir noch weitere, tiefere Einblicke.

Beispielsweise entdeckten wir, dass bestimmte Influencer versuchten, die Glaubwürdigkeit der IEBC anzuzweifeln, indem sie auf Twitter Hashtags mit negativen Konnotationen verwendeten. Dies geschah typischerweise immer durch einen Influencer, der eine Diskussion startete und diese Diskussion dann anschließend stark retweeted wurde. Diese Posts trendeten sogar teilweise auf Twitter und verursachten dadurch den Eindruck, dass die IEBC keine freien, fairen und glaubwürdigen Wahlen durchführen kann.

Eine weitere interessante Erkenntnis betrifft die Analyse der Geo-Tags. Wir haben herausgefunden, dass 85% der Twitter Posts, welche mit Geo-Tags versehen waren, aus Nairobi stammten, was konträr der Annahme geht, dass soziale Medien in Kenia allgegenwärtig sind.

Uhuru Kenyatta’s Unterstützer (Jubilee alliance) während des Wahlkampfs in Nairobi, 29. Mai 2017 © SIMON MAINA / AFP

Letztlich fanden wir heraus, dass die Konversationen über die Wahl in den sozialen Medien – leider – oftmals eine Menge an ethischen Verunglimpfungen beinhalteten.  Diese Sprache kann als eine Form der Hate Speech eingestuft werden, was große Probleme bringt, wenn man betrachtet, dass Kenias Gesellschaft aus 44 verschiedenen Stämmen besteht.

Würden Sie sagen, dass das Engagement in den sozialen Medien einen Einfluss auf die Entscheidung der Wähler hatte?

Die wissenschaftliche Forschung ergab gemischte Befunde, was den Zusammenhang zwischen Politikern in sozialen Netzwerken und einer Steigerung der Anzahl der Stimmen angeht. Bestätigt wird dies beispielsweise durch meine eigene Forschung im Zusammenhang zur Parlamentswahl 2012 in Kuweit.

Ich für mich glaube, dass die sozioökonomische und kulturelle Umwelt förderlich für die sozialen Medien sein muss, damit es möglich ist, einen Wahlausgang stark zu beeinflussen. In unserer Untersuchung in Kenia glaube ich nicht, dass Social Media einen Einfluss auf die Wahlergebnisse hatte.

Die interessantere Frage ist jedoch, welchen Einfluss WhatsApp und private Gespräche in den sozialen Medien auf die Wahl hatten und zudem, welche Informationen über Word-of-Mouth weitergegeben wurden.

Welchen Unterschied machte die Verwendung der Linkfluence Plattform in Ihrem Projekt aus?

Ohne den Support von Linkfluence wäre es schlicht unmöglich gewesen, dieses in der Öffentlichkeit stehende Projekt zu implementieren. Das Account Management Team war uns eine große Hilfe, als es darum ging, die Suchanfragen zu stellen und es war stets ansprechbar, wenn wir kleinere Änderungen vornehmen mussten.

Ich glaube nicht, dass irgendein anderer Social Data Intelligence Anbieter uns diesen Level an engagiertem Support geben könnte. Folglich hatte ich höchstes Vertrauen in die Daten, die wir gesammelt haben und in die Ergebnisse, die wir erarbeitet und dem Kunden präsentiert haben.

Das Account Management Team arbeitete durchgehend an unserer Seite und half uns, unser Daten-Paket ständig zu upgraden, damit wir auch ja keinen Post in unserem System verpassen.

Genau diese Zusammenarbeit ist es, die den Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem nicht erfolgreichen Monitoring Projekt ausmacht.

Für was benutzen Sie die Linkfluence Plattform noch?

Obwohl es sehr leicht ist, bei der großen Anzahl an Features der Plattform den Überblick zu verlieren, fanden wir die Veröffentlichungsplattform sehr nützlich.

Seit kurzem beschäftigen wir uns auch mit der Bildanalyse, was niemanden überraschen dürfte, betrachtet man doch die Anzahl der heutzutage geposteten Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken.

Noah Miller hält einen Vortrag über Samsungs Krisenkommnikation für das Galaxy Note 7 an der Aga Khan Universität für Medien und Kommunikation in Nairobi.

Die Statistiken aus den Research-Unternehmen zeigen eindeutig, dass Posts, die Bilder beinhalten, deutlich höhere Engagement-Raten erzielen. Es wird zudem immer wichtiger, manipulierte Bilder zu entdecken, um Unternehmen vor jeglichem Schaden zu schützen. Wir für uns haben auf unseren sozialen Kanälen festgestellt, dass Posts über Bildanalyse sehr gut bei unseren Followern ankommen.

Was sind Ihre nächsten Pläne für die Forschung? Möchten Sie etwas mit unseren Lesern teilen?

Unser Datenbestand über die kenianische Wahl ist einzigartig und momentan arbeiten wir an einer In-Depth-Studie, durch welche wir die grundlegenden Strukturen der sozialen Netzwerke aufdecken wollen, wie Geschichten auf Twitter verbreitet wurden und neue Definitionen von Influencern entdecken.

Des Weiteren wollen wir untersuchen, ob die lokalen Medien parteiisch oder unparteiisch waren und ob sich gewisse Agenden durch die Online-Berichterstattung gezogen haben. Ähnliche Studien wurden bereits für westliche Wahlen durchgeführt und einige Ergebnisse waren wegweisend.

Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir sind davon überzeugt, dass Sochins Forschung über die kenianische Wahl sehr viel zum Wissen über die Nutzung von sozialen Medien allgemein und dem Demokratieaufbau im Besonderen beitragen wird.

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