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17 Juli 2017

Südkorea – eine weltweit einzigartige Landschaft für soziale Netzwerke

Nachdem wir uns bereits mit der Social Media Landschaft in China beschäftigt haben, betrachten wir nun soziale Netzwerke in einem weiteren Land der APAC-Region: Südkorea.

Weit weg von der überwältigenden Dominanz der GAFA (kurz für die vier großen digitalen Player Google, Amazon, Facebook und Apple) in den meisten Ländern weltweit, haben die Südkoreaner ihre eigenen Leader in der digitalen Wirtschaft geschaffen. Wodurch zeichnen sich soziale Netzwerke in Südkorea aus?

 

Südkorea: ein stark vernetztes Land 

Südkorea ist weltweit das einzige Land, das es geschafft hat, flächendeckend den Mobilfunkstandard 3G/4G (UMTS/LTE) einzuführen. Keine noch so kleine Region wurde ausgelassen – ob man in der U-Bahn sitzt, über das offene Feld spaziert oder sich im ICE befindet, eine High-Speed-Internetverbindung ist immer vorhanden. 86% der Südkoreaner nutzen bereits 4G. Und um weiterhin einen Schritt voraus zu sein, arbeitet das Land für die Olympischen Winterspiele 2018 an der Einführung von 5G und wäre damit das erste Land weltweit, dessen Mobilfunknetz voll mit 5G ausgestattet ist.

Das mobile Netz ist nicht nur sehr gut ausgestattet, auch die Geschwindigkeit ist extrem schnell. Südkorea ist unangefochten das Land mit der schnellsten Internetverbindung und das schon seit mehreren Jahren. Zum Vergleich: Während Südkorea eine durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit von 28,6 Mbps erreicht, liegt diese in Deutschland bei gerade einmal 15,3 Mbps.

Quelle: Akamai

 

Fast jeder nutzt soziale Netzwerke

Bei einer Gesamtbevölkerung von 50,4 Millionen Einwohnern verzeichnet Südkorea mehr als 45 Millionen Internetnutzer und 38,4 Millionen aktive Nutzer sozialer Netzwerke. Demnach sind 83% der Internetnutzer auf sozialen Netzwerken aktiv.

Damit ist Südkorea weltweit die Nummer 2 in der Nutzung sozialer Netzwerke (knapp vor Singapur mit einem Anteil von 77%). Beide Länder sind weit vor den USA (auf Platz 7), wo 66% der Internetnutzer aktiv soziale Netzwerke nutzen oder Großbritannien mit einem Anteil von 64%.

 

Nationale Akteure bestehen neben den US-Riesen – weil sie lokale Eigenarten berücksichtigen

Anders als in vielen anderen Ländern sind lokale Player in Südkorea stark vertreten und bilden ein Gegengewicht zu Facebook & Co. Dabei sind durchaus ähnliche Trends zu beobachten: 2014 fusionierten mit Daum und Kakaotalk zwei große Akteure der Digitalbranche und reagierten damit auf den Kauf von WhatsApp durch Facebook: Daum ist das viertgrößte südkoreanische Portal und Kakaotalk – ein Messenger-Service – wird von 31% der südkoreanischen Bevölkerung aktiv genutzt (hinter YouTube, Facebook, Twitter und Instagram mit Nutzungsraten von 72%, 64%, 36% und 36%). Ein weiterer großer südkoreanischer Anbieter, Naver, ist weltweit auf Platz 5 der Suchmaschinen.

 

Cyworld: Das erste große soziale Netzwerk Südkoreas

 

Offenkundig ist es aber Cyworld, dem die Südkoreaner ihre Begeisterung für soziale Netzwerke verdanken. Tatsächlich entwickelte Cyworld das erste große soziale Netzwerk bereits 1999, lange vor Facebook und Twitter. Das Netzwerk fand schnell Verwendung und lange Zeit konnte es dem unaufhaltsamen Aufstieg von Facebook widerstehen, mittlerweile aber geht die Nutzung erheblich zurück. Seine Besonderheit: Das soziale Netzwerk ermöglicht es seinen Nutzern, ihre Beziehungen entsprechend dem südkoreanischen Kulturmodell hierarchisch zu gliedern (Ebene 1, 2 oder 3) und dadurch Kontakte besser zu verwalten und zu priorisieren.

 

Nutzerzahlen von Cyworld vs. Facebook

 

Trotz Zunahme der Bedeutung der amerikanischen sozialen Netzwerke nutzen die Südkoreaner weiterhin aktiv die Netzwerke, die in ihrem Land entwickelt wurden. Diese umfassen häufig sehr spezifische Anwendungen, vor allem in Bezug auf das Alter der Nutzer. So wird z.B. Naver Band vor allem von Personen mittleren Alters verwendet, die alte Schulfreunde wiederfinden wollen.

KakaoTalk (mit mehr als 26 Millionen Nutzern) und KakaoStory bleiben weiterhin die beliebtesten sozialen Netzwerke Südkoreas trotz der Konkurrenz durch westliche und chinesische Akteure.

KakaoStory kann mit seiner Vielzahl von Services mit Facebook verglichen werden. 2012 von KakaoTalk gegründet, ist es das beliebteste Netzwerk der Südkoreaner. Seitdem hat Kakao eine Diversifikationsstrategie gestartet und bietet unter anderem eine Online-Bank und einen Taxi-Service an.

 

Das beste Netz, die meisten Nutzer – Südkorea als Vorreiter?

Der gute Ausbau des Mobilfunknetzes hat auch dazu beigetragen, dass lokale soziale Netze sich im Alltag der Südkoreaner integrieren konnten. Die selbstverständliche mobile Nutzung schnellen Internets haben vor allem die lokalen Netzwerke durch ihre Apps ausgenutzt. So erklärt sich z.B. die Dominanz von Band und KakaoStory, die zusammen 14,9 beziehungsweise 13,7 Millionen alleinige Nutzer haben.

Mehr als in jedem anderen Land scheint es für Milennials in Südkorea unmöglich, im Alltag ohne eine Internetverbindung und soziale Netzwerke auszukommen. Der Ausbau des mobilen Internets hat Südkorea zu einem der technologisch fortschrittlichsten Länder weltweit gemacht, zu einer „Ultra-Tech-Nation“. Damit nimmt das Land eine Vorreiterrolle ein – technologisch, und vielleicht auch in Hinsicht der Social Media Landschaft. Ein genauerer Blick in Richtung Asien ist damit also vielleicht eine Aussicht in die Zukunft – spannend ist er aber allemal.

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