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21 September 2017

Keep calm and #fedidwgugl – das Stimmungsbild zur btw17 im Web

Kurz vor der Bundestagswahl am 24. September geben die Parteien mit Ihren Online-Kampagnen noch einmal Gas. Eine Partei sticht dabei besonders heraus: die AfD. (Zeitraum der Betrachtung: 1.6. – 20.9., Foto: Linkfluence)

Online wie offline kämpfen die Parteien kurz vor der Wahl um jede Stimme. Linkfluence hat sich die diesjährigen Hashtag-Kampagnen der Parteien zur btw17 im Netz einmal angesehen und ein Stimmungsbild nachgezeichnet.

Am Sonntag ist es soweit: Deutschland wählt einen neuen Bundestag und damit einen neuen Bundeskanzler – oder doch wieder eine Bundeskanzlerin? Wie in jedem Wahljahr gibt es auch 2017 erste Prognosen zu möglichen Wahlergebnissen, die die politische Stimmung in Deutschland skizzieren. Kurz vor der Wahl sorgt das noch einmal für frischen Wind im Parteigebälk.

Statistiken sehen Merkel vorne

Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa (Stand 19. September) liegt Angela Merkel mit der Union klar in Führung (36%), die SPD um Martin Schulz folgt auf Platz zwei mit (23%), Platz drei geht aktuell an die LINKE (10%). Platz vier teilen sich die FDP und die AfD mit jeweils 9%, die Grünen erreichen der Prognose zufolge 8% ─ sonstige Parteien kommen zusammen auf 5%.

Forsa-Umfrage vom 19. September – CDU/CSU klar vorn, Linke, FDP und AfD legen im Vergleich zu 2013 deutlich zu. (Quelle: welt.de)

Eine vergleichbare Umfrage vom 14. September, durchgeführt von infratest dimap, kommt wiederum auf etwas eindeutigere Ergebnisse. Dem Forschungsinstitut zufolge liegt die Union bei 37%, die SPD folgt mit vergleichbar mageren 20%. LINKE und FDP liegen mit 9% bzw. 9,5% fast gleichauf – allerdings erreicht die AfD bei dieser Befragung ganze 12% und wäre damit drittstärkste Kraft.

Doch wie sieht die Stimmung im Netz und in den Sozialen Medien aus? Wer erreicht mit seiner Kampagne die momentan höchste Sichtbarkeit und lassen sich die aktuellen Gewinnprognosen mit den Social-Media-Aktivitäten der Parteien erklären?

Plattform-of-choice für Partei-Kampagnen: Twitter

Die Parteien und Ihre Hashtags erreichen für den Zeitraum 1. Juni bis 20. September 2017 einen Gesamt-Buzz von rund 64.500 Nennungen und einer geschätzten Reichweite von 37,7 Mio. Kontakten (Web und Social Media). Twitter ist hierbei die stärkste Plattform (Anteil am Gesamtvolumen 64%), gefolgt von Facebook (22%) und Instagram (9%). Seit den letzten Wochen ist zudem ein deutlicher Anstieg in den Social-Media-Aktivitäten zu erkennen, dh. die Parteien legen sich vor der Wahl noch einmal gehörig ins Zeug.

Plattformverteilung des Gesamtvolumens im zeitlichen Verlauf, aufgeteilt nach Wochen. Peaks in KW 35 und KW 37. (Foto: Linkfluence)

Zu den Top-Mentions auf Twitter nach Engagement gehören – neben Posts mit dem Wahl-Hashtag #btw17 – Beiträge der AfD (Alternative für Deutschland). Insbesondere Frauke Petry (@FraukePetry) treibt den Buzz für die Partei – mit Ihrem Profil setzte sie im Betrachtungszeitraum insgesamt 136 Tweets ab (eine durchschnittliche Posting-Frequenz von 1,21 Tweets/Tag). Die AfD selbst twitterte mit einer Frequenz von 2,11 Tweets pro Tag (insgesamt 236 Beiträge). Die höchste Interaktionsrate (Engagement rate) erreichte allerdings ein Tweet des Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir zum Kanzlerduell.

Unter den drei Top-Influencern auf Twitter gemessen an der Reichweite liegt, trotz der enormen Visibilität der AfD, die CDU (7,87 Mio. erreichte Kontakte), die AfD folgt mit 6,07 Mio. Kontakten, die FDP  liegt mit 3,46 Mio. Kontakten auf Platz drei.

Kampagnen der AfD und FDP liegen im BUZZ vorn

Die höchste Visibilität gemessen an den Hashtags erreicht die AfD mit #TrauDichDeutschland (knapp 51% Anteil am Gesamtvolumen). Platz zwei belegt die FDP mit #DenkenWirNeu (22%) und die CDU folgt auf Platz drei mit dem zuletzt kontrovers diskutierten Hashtag #fedidwgugl, der den Wahlkampfslogan „Für ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben“ abbildet (15%). Die Grünen und ihr Hashtag #DarumGRÜN erreichen gute 8% ─ die SPD um Kanzlerkandidat und Herausforderer Martin Schulz hingegen liegt abgeschlagen auf dem vorletzten Platz mit knapp 4%. Verlierer in Sachen Online-Aufmerksamkeit ist allerdings die LINKE mit einem Share of Voice von nur 0,38%.

 

 

Was ist los mit „The Schulz“?

Während die AfD den Buzz insbesondere durch Influencer aus den eigenen Reihen kräftig treibt und die FDP mit ihrer personenzentrierten Kampagne um Christian Lindner die Gunst der User gewinnt, sozialisiert sich das Netz kaum mit Merkel-Herausforderer Martin Schulz. #ZeitfürMartin kommt auf gerade einmal 2.350 Nennungen (das sind 19% weniger als etwa #DenkenWirNeu der FDP und 12% weniger als #fedidwgugl der CDU). Im Vergleich zu den vier Vormonaten des Jahres kommt die Schulz-Kampagne auf einen mageren Zuwachs von lediglich 15,2% – verglichen mit der CDU und einem Plus von 978.000% erschreckend gering.

Buzz-Evolution seit Juni 2017: AfD mit größtem Zuwachs gemessen am Buzz, dahinter CDU und GRÜNE. Heimlicher Gewinner in puncto Reichweite ist allerdings die CDU. (Foto: Linkfluence)

Wie bei der AfD sind die Buzztreiber der SPD eher die Parteimitglieder als normale User. Der Funke will trotz allem nicht recht überspringen: Aus „The Schulz“ ist mittlerweile der etwas bescheidenere #Gerechtist geworden, der um die Gunst der Wähler bangen muss. So werden auch kritische Stimmen zu der politischen Stoßrichtung der SPD und Ihrer Fokussierung auf das Streben nach mehr Gerechtigkeit laut, etwa von Politgrößen wie Oskar Lafontaine, der mit seinem Facebook-Post „Eigentor der SPD“ zu der Kampagne im Beobachtungszeitraum die höchste Interaktionsrate generierte (1.270 Reaktionen, 313 Kommentare, 591 Mal geteilt). Außerdem kritisiert er, dass sich die SPD politisch zu nah an der Union befindet und „Muttis Rockzipfel“ loslassen müsse.

Muttis RockzipfelWow, jetzt traut sich die SPD mal was. Sie will mit LINKEN und Grünen die in vielen Ländern…

Publié par Oskar Lafontaine sur mercredi 28 juin 2017

Oskar Lafontaine gefällt das nicht.

Allerdings erreicht Schulz mit Blick auf die Gesamttonalität der Beiträge die bisher positivste Resonanz, was seine Linie des nahbaren Lokalpolitikers reflektiert.

Kampagne Merkel  vs. Kampagne Schulz

#fedidwgugl                                                                               

#ZeitfürMartin

 

Allerdings verpasst die SPD gerade die Gelegenheit zur Online-Mobilisierung der Community kurz vor der Wahl. Das hat zum Beispiel die CDU für sich erkannt und setzt zum Endspurt des Wahlkampfes auf eine Art Influencer Marketing. So setzt die aktuelle Testimonial-Kampagne „I love Raute“ mit dem Hashtag #unterstuetztMerkel Makro-Influencer wie Lena Meyer-Landrut, Franziska van Almsick und Heino auf die Agenda, was der CDU nochmals gehörig Schub geben könnte.

Wir sind gespannt, wer am Sonntag das Rennen macht. Popcorn und Chips liegen bereit 😉

Hard Facts

  • Beobachtungszeitraum: 01.06. – 20.09.2017
  • Gesamt-Buzz: 64.500 Beiträge, geschätzte Reichweite 37,7 Mio.
  • Top-Plattformen: Twitter (64%), Facebook (22%), Instagram (9%)
  • Top-Themen abseits der Buzztreiber (Mikrothemen): Christian Lindner und Amazon Alexa / Das ARD-Bürgerformat „Frag Selbst“ inkl. Hashtag #fragselbst / Easter Egg CDU/Junge Union: Hashtag #vollmuttiviert
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